Interview mit Kongresspräsident Prof. Dr. Mathias Langer

Der Radiologe muss das Gesamtgebiet der bildgebenden Diagnostik überblicken

Herr Professor Langer, Sie haben dem Kongress das Motto "Radiologie ist Zukunft" vorangestellt – Welche Zukunft hat die Radiologie?

Die Radiologie wird in Zukunft in der gesamten klinischen Medizin eine zentrale Rolle einnehmen. Sie wird eine Schaltstelle sein für die korrekte Wegweisung des Patienten von der Diagnose zur optimalen Therapie. Ohne bildgebende Diagnostik ist eine Diagnose fast nicht mehr möglich, sei es in der inneren Medizin
oder der Chirurgie, bei einer Tumorerkrankung oder einem Polytrauma.


…Und welche Zukunft hat aus Ihrer Sicht der Radiologe?

Der Radiologe hat in seiner Ausbildung die gesamten bildgebenden Verfahren profunde gelernt. In Zukunft wird es innerhalb der Radiologie jedoch sicher eine Sub-Spezialisierung geben, aber nicht im Sinne eines neuen Facharztes: Der Radiologe der Zukunft wird sich zu einem qualifizierten Ansprechpartner für die entsprechenden Fachdisziplinen entwickeln, der aber durchaus weiterhin in der Lage sein muss das Gesamtgebiet der bildgebenden Diagnostik zu überblicken und die richtigen Verfahren zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Indikation einzusetzen.


Welche Themen werden auf dem Kongress behandelt, die das Motto "Welche Zukunft hat die Radiologie?" widerspiegeln?

Ein wichtiges Thema ist die Kernspintomographie, die es mit non-invasiven Verfahren in Zukunft ermöglichen wird, auf zellulärer Ebene den Tumor zu analysieren und zu klassifizieren. Die molekulare Bildgebung "in vivo", d.h. bei einem Patienten und nicht im Labor, wird durch die Kernspintomographie ganz essentiell vorangetrieben werden.
Die Darstellung von Stoffwechselprozessen ist ein weiteres Thema. Die Kombination der morphologischen Bildgebung mit der Markierung des Stoffwechsels durch radioaktive Substanzen ist eine Zukunftsoption, die die Funktion des Tumors mit seiner Morphologie und seinem möglichen Ansprechen auf eine Therapie in einer Untersuchungssitzung ermöglichen wird.
Ein weiteres wesentliches Themengebiet ist die Computertomographie. Sie ermöglicht beispielsweise bei einem Unfallpatienten in kürzester Zeit einen kompletten Überblick nicht nur über das Ausmaß der Verletzung, sondern auch den Schweregrad derselben zu erzielen. Zudem wird die kardiovaskuläre Diagnostik in der Notfalldiagnostik eine wesentlich größere Rolle spielen, denn ein Verdacht auf Herzinfarkt mit einer etwas unsicheren klinischen Konstellation, die nicht sofort eine kardiologische Intervention rechtfertigt, wird in Zukunft sicher in der CT als erster diagnostischer Station untersucht werden.


Steht der Redner der Röntgenvorlesung schon fest?

Ja! Wir konnten Prof. Joseph Schoepf von der Medical University of South Carolina in Charleston für die Röntgenvorlesung gewinnen. Er ist ausgewiesener Radiologe auf dem Themengebiet der kardio-thorakalen Bildgebung. In seinem Vortrag wird er über kardiale Notfallradiologie sowie über Notfalldiagnostik im vaskulären Bereich sprechen. Prof. Schoepf wird zeigen, wie stark in Zukunft die Radiologie mit ihren bildgebenden Verfahren einerseits die Versorgung der Patienten beschleunigen und anderseits die Invasivität des Eingriffs senken kann.


Vielen Dank für das Gespräch!

veröffentlicht am Montag, 3. September 2012

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